Das halbe Jahr 1420 dauerten die Vorbereitungen, schon seit Tagen wird auf der Lottenburg am Lautertal alles Erdenkliche für das große Spectaculum vorbereitet und heute war es endlich so weit:
Des Nachmittags kamen unsere Pagen und Knappen, die Hofdamen und alle Gäste in einer großen Kutsche angereist, die von Ritter Uwe meisterhaft geführt ward. Wegen der fehlenden Stallungen hier auf der Burg mussten die Ritter ihre Pferde zu Hause lassen, oder im Dorfe einstellen. Darum half auch das ganze Hofgesinde mit, die Kisten und Koffer der Gäste zu den Unterkünften zu bringen.

Die Neuankömmlinge versammelten sich nach dem Trompetensignal um die bereits anwesenden Majestäten und den Hofstaat. Huldvoll richtete der König das Wort an seine neuen Untertanen und erließ Gebote und Verbote. Seine Berater, zu Unrecht Hofnarren geheißen, standen ihm zur Seite. Die Grenzen unseres kleinen Königreichs wurden gemeinsam abgeschritten, damit niemand unversehens in den dunklen Tann gerät oder an den Drachenberg.
Vor allem aber ward auch allerlei Amüsement geboten. Die Kunst des Zeitvertreibs ist hier in hohen Ehren gehalten.

Endlich sollte auch dem Leibe wohl getan werden. Ein halbes Fass voll saurer Streifenwurst, dazu wahlweise Käse, Zwiebel für den frischen Atem und vom Brote viele Laibe wurden aufgefahren servieret und verputzt.
Süßes nach Tisch mundete vorzüglich, wenn auch nicht ganz gerecht verteilt. Die einen hatten zu wenig, die anderen viel zu viel. Unsere Gäste ließen sich nicht bitten und teilten bereitwillig und ritterlich.

Dann endlich eröffnete König Gobi das erste Turnier. Während am Himmel dunkle Wolken dräuten und in der Ferne bereits Blitze zuckten, erlebten wir vorbildliche Muster an Mut, Geschicklichkeit, Ausdauer und jugendlicher Kraft. Doch erst im klugen Zusammenspiel vieler zeigte sich die siegreiche Mannschaft. Nur Verlierer gab es keine.

Dann holte uns doch noch das Wetter ein. Den Waldumgang bei Finsternis haben wir uns wegen ergiebigem Regen einfach geschenkt. Stattdessen erzählte der Älteste ganz genau, was uns unterwegs erwartet hätte: eine Strecke im ganz dunklen Tal alleine zurück legen. Dazu Gespenster, Vampire, und allerlei unheimliche Geräusche im nächtlichen Wald…
Gerüchten zufolge soll der eine oder die andere über das Entfallen dieser Nachtwanderung nicht allzu traurig gewesen sein.

Für die Nachtruhe gibt es übrigens nichts besseres, als das gleichmäßige Rauschen, dass der Regen auf Zeltleinwand verursacht. So macht das Wetter die Kinder und die Mitarbeiter glücklich. Trotzdem darf morgen die Sonne wieder scheinen, zumindest bei uns, auf der Lottenburg.