… zweitens als man denkt! Keine Ahnung, was unser Professor Zweistein sich bei der heutigen Zeitreise gedacht hat. Oder vielleicht haben sich die Assistenten auch nur völlig verstöpselt. Auf jeden Fall ging diesmal einfach alles gründlich daneben, trotz guter Vorbereitung. Eigentlich hätten wir im Jahre 70 in Rom herauskommen sollen. Nach dem Zeitsprung grummelte der gute Olbert etwas von „knapp daneben“ und „in Wander-Entfernung“, um dann eilig zu verschwinden.

Okay, wir sollen also nach Rom reinwandern – so weit, so gut. Ein freundlicher Mann namens Paulus stellt sich vor und erklärt sich bereit den Weg zu zeigen. Gut, dass er uns begleitet. Er scheint sich in Rom auszukennen, aber er darf sich dort nicht mehr sehen lassen. Das hat mit seiner Gemeinschaft und deren Geheimzeichen, einem stilisierten Fisch zu tun. Die Römer sind ihm und seinen Freunden nicht gut gesonnen.
Die Vorbereitungen sind schnell erledigt: Trinkflaschen abfüllen, Rucksäckle packen, Wanderschuhe an, CVJM-Mütze auf, eincremen und Abmarsch. Talabwärts im Schatten sind die ersten Kilometer das reine Vergnügen. Aber dann geht’s über den Hügel ins nächste Tal. Da ist die südliche Hitze schon deutlich zu spüren. Das kennt man ja, Rom im Sommer…
Aber die pfiffigen Nachwuchs-Zeitforscher bemerken nun schnell, dass zumindest die Zeitkoordinaten gründlich daneben liegen. Wir begegnen Autos aus der Gegenwart und die Häuser haben Strom und Antennen, die Straßen Teerbelag. Gar kein Zweifel, wir befinden uns nicht im Jahre 70. Paulus lässt sich davon nicht beirren. Er erzählt von seiner Gemeinde in Rom interessante Geschichten.
Das und mehrere Trinkpausen im Schatten helfen über die Hitze hinweg. Dazu ein entspanntes Wandertempo – bella Italia! Aber etwas anderes fällt den kritischen Beobachtern auf: Die Autos haben deutsche Nummern, meist RV, außerdem kaum Fiats dabei. Eigentlich passt nur noch das warme Wetter, aber seit dem Klimawandel gibt’s das ja auch in Oberschwaben.
Das nächste waldige Tal heißt „Höll“, ist aber längst nicht so heiß, wie der Name vermuten lässt. Sehr gemächlich steigen wir die Treppen hinab und bestaunen die Klamm mit ihren wilden, tief eingeschnittenen Bächen. Alles läuft glatt: eine Mütze fällt von einer hohen Brücke in den Bach, wir verlieren die hintere Gruppe weil die ja den Rollstuhl und seinen Fahrer tragen – was soll’s. Die Stunde Verspätung fällt kaum ins Gewicht angesichts der fast zwei Jahrtausende Zeitverzug.

Für die Paulus-Hilfsaktion in der Stadt war’s – so oder so – leider zu spät. Jedoch sorgten unsere verkleideten Römer für viel Vergnügen bei den Passanten. Micha und Benni – die beliebtesten Legionäre in der FuZo.

Ravensburg ist fast ebenso schön, wie Rom und die Zeit nahe der Gegenwart hat einen riesigen Vorteil: für den Rückweg stand ein Bus bereit.

Bis Ende des Tages haben wir nicht erfahren, ob der Ausflug in die Gegenwart nun von Professor Zweistein beabsichtigt war oder nicht. In der Stadt wurde er nämlich in einem kleinen Laden beobachtet.

Z
E    
der
I
T
Ü C K E N

Professor Zweistein kommt mit wirren Haaren und nachlässig umhängendem Laborkittel in ein Optik und Uhrengeschäft. Er fragt die Verkäuferin: „Entschuldigen Sie, welches Jahr haben wir denn gerade?“ Die antwortet mit fragendem Blick: „2015.“ Zweisteins Augen leuchten und er ruft: „Sie funktioniert, juhu, sie funktioniert!“ und rennt aus dem Laden.