Jetzt haben wir den Salat. Heute gab es keine Zeitreise, denn wir sitzen fest in einer unbestimmten Zeit nirgendwo in der Zukunft. Die einen sagen: „Hätten wir gestern mal lieber auf den Professor gehört.“
Die anderen meinen: „Okay, wir haben nicht nur den Salat, sondern auch Tomate-Mozzarella, frische Rohkost-Sticks, alle Obstsorten der Saison in Scheiben, Spalten, Würfeln – frisch oder im Fruchtjoghurt. Wir haben die Grütze – vorzugsweise rote mit Vanillesauce, viererlei Brotsorten, dazu Hefezopf, Frühstücksflocken und Cornflakes. Die Zukunft ist uns Wurst – in sechs Sorten und Käse in Scheiben. Dazu Lachscreme mit Dill, Bruscetta-Frischkäse oder lieber Thunfischcreme? Das hätte schlimmer kommen können.“
Das Buffet wird bedient von ganz menschlichen Robotern, die trotz der fernen Zukunft immer noch einige Programmierungsprobleme hatten und das Frühstück geht allen Ernstes nahtlos ins Mittagessen über.
Auch die Tageszeiten rechnen sich hier ganz anders und es gibt kein Wecksignal. Die Tätigkeiten sind schon sehr angenehm verteilt. Roboter machen die ganze Arbeit, für uns gibt’s Wellnessangebote, Trainingscenter, Indiaka, Federball, Jogging, Massage mit Musik. Und dann sind da noch ein paar ganz erstaunliche Angewohnheiten: Man kann sich farbigen Bänder ins Haar machen lassen oder gar farbige Lacke auf die Fingernägel…
Und gegen Ende des Brunch gibt’s auch noch Crêpes, zum Glück hat die noch keiner abgeschafft. Doch die Roboter sind auch nicht schneller damit, als der CVJM beim Stadtfest und so gibt’s halt auch in der Zukunft Warteschlangen.

Und diese Zeit hat auch ihre ganz speziellen Probleme. So ist zum Beispiel die Atemluft so knapp geworden, dass die Reserven in Kunststofffolien-Lufttaschen eingeschweißt wurde. Um die entbrennt ein harter Kampf. Doch wieder haben die Besucher aus der Gegenwart die Nase vorn und schaffen es, die Luftreserven zu verteidigen und der Zukunft die Atemluft zu erhalten. Zum Schluss können wir die gute Luft wieder befreien mit durchschlagendem Erfolg. Hunderte Luftfolientaschen geben ein tolles Knallkonzert wie an Silvester und anschließend erhebt sich eine frische Brise, wie sie in letzter Zeit doch recht selten geworden ist.

Gegen Abend kommt es dann erneut zu einer Roboterstörung. Anstatt einfach ein Abendessen für uns zu produzieren wird die Ausführungsanweisung, also der „tu-das-Befehl“, multiplexiert. Das bestellte Lieblingsessen in der Hitliste unserer Reisegruppe – Spaghetti mit Tomatensauce – wird komplettiert durch die Plätze zwei und drei, also Linsen mit Saitenwürstle und Schweinerücken an Waldpilzsauce. Damit gibt es drei Abendessen statt einem mit allen möglichen Mischformen und noch Nachtisch. Die Zukunft wird immer komplizierter!

Das Abendprogramm haben wir dann ganz einfach gestaltet, so wie früher immer, auf den Zeltlagern kurz nach der Jahrtausendwende. Ein stimmungsvoller Lagerabend, wahlweise mit vielen Spielen nach Wunsch oder Singen am Lagerfeuer. Ach ja, das waren noch Zeiten…

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Eine Reise mit der Zeitmaschine ist mit einer Subtraktionsaufgabe vergleichbar. Um zum richtigen Ergebnis zu kommen, muss der Ausgangswert ganz klar definiert sein, ebenso der Rechenwert. Also 100 – 40 = 60 . Die Aussage: „ziehe einiges von 100 ab“ ergibt ebenso kein Ergebnis wie „nimm ordentlich viel und davon weniger 40“.
Um wieder in die Gegenwart zu kommen, muss der Zeitreisende also exakt wissen, in welchem Jahr und Datum er sich befindet und wie viel Zeit ihn vom Ziel trennt.
Bei der Beispielaufgabe ist die Rechenoperation eindimensional. Bei Subtraktionen im Raum-Zeit-Kontinuum ist sie dagegen n-dimensional – also haben wir zweimal n Möglichkeiten Fehler zu machen.
Das macht die Zeitreisen so unendlich kompliziert und unsere Wiederkehr in die Gegenwart – und übermorgen zu Hause – annähend unendlich unwahrscheinlich.