… oder wie hier: ihr Strahlen!

Schon seit Tagen ist hier am Berg bei Erbstetten ein Riesenauftrieb. Die jahrelangen akribischen Vorbereitungen fanden heute ihren vorläufigen Höhepunkt mit der Anreise der Olympioniken, also der Spieler. Genauer: der Teilnehmer und Wettkämpfer der Olympischen Spiele.

Gegen 16 Uhr fuhren massenweise (3) Busse und Transportfahrzeuge vor, Materialanhänger entluden ihre vielfältige Fracht und…
Eine unübersehbare Menge gutgelaunter, erwartungsfroher junger Leute aus vielen Kontinenten entstieg den anhaltenden Bussen vor den Stadion-Anlagen. Sie werden zwei Wochen bei uns zu Gast sein:
Die Weltspitze des internationalen Sports gibt sich ein Stelldichein. Man kennt sich vom Olympischen Vortreffen in Ebersbach und teilweise auch von früheren Zusammenkünften und sportlichen Großereignissen. Dementsprechend locker begrüßten sich die jungen „alten Bekannten“ und in der Weltsprache „Schwäbisch“ fliegen Scherze und Freundschaftsbekundungen über die Plätze. Aber auch manch alte Gegnerschaft wird wieder belebt. Man darf gespannt sein auf atemberaubende Wettkämpfe und persönliche Duelle der Besten ihrer Sportart weltweit.

Schnell waren die Regeln der olympischen Disziplin abgesprochen, das olympische Zeltdorf ist bis auf die letzten Plätze belegt und die Trainer, Spielbetreuer, Mannschafts-Coachs und Fitnessberater haben sich ihren Schützlingen vorgestellt.
Nach der gemeinsamen Erkundung des Olympischen Dorfs mit dessen weit gesteckten Grenzen war Stärkung angesagt: Proteine, wertvolle Fette und Ballaststoffe, also Scheibenbrot mit Würstchen und Käse, dazu verschiedene Gemüse als Rohkoststicks. Und – der letzte Schrei in der Sportler-Ernährung: Kalorien in flüssiger Form zum blitzschnellen Abrufen bei Bedarf, in Fachkreisen auch bekannt als Zitronentee.

Das Abendprogramm schließlich, wie zu Hause auch – Glotze an! Unser Großbildschirm brachte eine prickelnde Diskussion zwischen wohldistinguierten Herren reiferen Alters. Wohl das olympische Komitee oder die FaFi? Das Thema scheint dasselbe wie immer: das Geld – „Nehmet und Gebet?“ Also, wie ich diese Organisationen kenne, ging es sicher viel mehr ums Nehmet.
Ach so ich werde soeben korrigiert – es geht um das…  …Gebet. Auch spannend, aber davon morgen mehr.

Der Tag hätte damit ruhig zu Ende gehen können, wenn nicht der olympische Größenwahn des Gastgeberlandes zugeschlagen hätte. Wir erfuhren von dieser empörenden Umwelt-Schweinerei zufällig. Naja, es geht genau genommen nicht um Schweine, sondern um seltene Urwaldtiere, die allesamt unter strengem, internationalen Naturschutz stehen. Für den Bau eines Großstadions soll deren Heimat, der Urwald am Berg abgeholzt werden. Leider haben die Bauarbeiter keine Zeit mehr, die Tiere einzufangen und umzusiedeln. Die Umsetzung von unzähligen Fledermäusen und Eulenvögeln ist schon nicht einfach. Aber einem Orang-Utan seinen Dschungel unterm Hintern wegzuroden, ist sicher noch schwieriger. Und schließlich waren da auch noch einige Jaguare – nicht solche, die ihren Biss aus starken Motoren beziehen, sondern echte, die mit den Zähnen zubeißen. Und zu allem Überfluss gab’s noch gefährliche Wilderer. Vielleicht hatten die Bauleute ja auch bloß Angst.
Nicht so unsere Olympioniken. Trotz zunehmender Dunkelheit und ohne Rücksicht auf Stiche von Schnaken, Bisse von Ameisen oder eben Jaguaren wurden die Tiere eingefangen und umgesiedelt. Und als die ersten Motorsägen ertönten war der Urwald leer. Die Heldentaten der olympischen Wettkämpfer waren schon in uralten Zeiten legendär.

Bereits vor tausenden von Jahren galten die Kämpfe bei Olympia als der Mittelpunkt der zivilisierten Welt. Die Sieger erhielten nicht nur Kränze aus Olivenzweigen sondern bekamen absoluten Kultstatus und wurden in Liedern, Gedichten und Statuen verewigt.

Unsere Olympioniken schlafen inzwischen friedlich den großen kommenden Ereignissen entgegen. Die glitzernden Sport-Stars unter uns oder die glänzenden Sterne über uns werden weltweit wahr genommen. Über alle Kontinente, alle Grenzen, alle Streitigkeiten hinweg. War das nicht genau der Olympische Gedanke?