Seit 12:45 leuchtet hier das Zeichen der Freundschaft zwischen den Völkern der Welt. Endlich ist der Läufer mit der olympischen Fackel am Ende seines weiten Wegs quer durch die Kontinente bei uns eingetroffen, pünktlich zum Beginn der olympischen Spiele am Berg. Er wurde mit einem unbeschreiblichen Jubel empfangen und dann begann die Entzündungszeremonie.
Erlöst gab er die Fackel weiter und sie wanderte von Hand zu Hand. Alle Olympioniken reihten sich andächtig in die lange Kette der Fackelträger ein. Es waren persönliche, erhebende Momente. Schließlich wanderte das Feuer immer höher am Berg, bis es die Spitze erreichte. Der olympische Zeremonienmeister entzündete mit einer eleganten Geste unsere olympische Feuerspitze, wo die Flamme nun bis zum Ende der Spiele brennen wird, bei Tag und Nacht, Sonne, Wind und Regen.
Anschließend erklärte er die Olympischen Spiele am Berg als eröffnet. Es wurden heute auch schon die ersten Medaillen vergeben: Gold ging verdient an Len, Silber an Felix und Simon durfte sich über Bronze freuen. Diese vorgezogene Disziplin ist erst seit Kurzem olympisch: Einmachgummi-Weitpfitzen.

Aber wollen wir diesen erhebenden Tag lieber in der chronologischen Reihenfolge Revue passieren lassen. Nach erfrischender Nacht war freundliches Wetter zu erwarten. Die Eröffnungsfeier wurde geplant in einem eigentlich zu kleinen Stadion, denn die gigantische Arena ist ja nicht rechtzeitig fertig geworden. Schwierig überhaupt Karten für dieses Event zu ergattern. Sonst wär nur Public Viewing übrig geblieben. Immerhin lobenswert war, dass die besten Plätze, die wenigen roten Ränge, nicht vorab an hohe Funktionäre und Politiker, an Wirtschaftsbosse und den Geldadel gingen. Jeder konnte sich bis zum Vormittag noch gute Plätze sichern, vorausgesetzt man zeigte Fleiß, die richtigen Freunde und verstand es auch ein bisschen zu handeln. Kein Wunder, dass am Ende der Schwarzmarkthändler ebenfalls rote Tickets vorweisen konnte. Unsere Sportler sollten natürlich nicht in Reihe 1 sitzen. Nein, die können ja selbst mitmachen – ganz, ganz vorne eben, in der Reihe der Träger der olympischen Fackel.

Erhaben macht hungrig und daher war das anschließende Mittagessen fast ebenso willkommen, wie der Fackelläufer: Pute, ge-Rahm-t mit ganzen Erdnüssen an Marktgemüse und soft sautiertem Bulgur. Das zerging noch sanfter auf der Zunge, als der Name vermuten lässt. Das Vanille-Dessert brachte sogar den einen oder die andere an die Kapazitätsgrenze. Wie soll man mit derart vollen Bäuchen denn Medaillen erringen…

Also doch lieber keine Wettkämpfe zum Nachmittag. Hobbygruppen dagegen gehen auch gemütlich und darum wurde gesägt, gebastelt, geklebt, betoniert und getanzt. Die Lagerzeitung schickte rasende Reporter zu den Segelfliegern, zum Saunabau und den Traumfängern. Wir dürfen gespannt sein, was die Presse morgen sensationelles zu berichten weis.
Viel zu schnell war die Hobbyzeit um. Obwohl wirklich alle sehr fleißig zugepackt haben ist noch nichts fertig geworden. Wir werden da morgen nochmals kräftig ranklotzen müssen.

Hoch willkommen nach diesem anstrengenden Tag kam im Anschluss ans Abendessen die inzwischen alltägliche Entspannungsphase: Glotze an und die Daddy-cool-Serie reinziehen, die wir alle so lieben. Die wilden Gangsta-Rapper gehören natürlich ebenso dazu wie der Filmheld Bernie, ein ziemlich naiver junger Mann, der sein erstes Vaterunser erlebt. Zumindest das erste, bei dem er sofort Antworten erhält. Sowas gibt’s halt wieder mal nur in Hollywood oder?

Um so realer ging das Abendprogramm weiter. Wir müssen den Eltern an dieser Stelle ein Geständnis machen: Einige Ihrer bestgehüteten Familiengeheimnisse sind keine mehr. Mutter und Vater steht es zu, ihrem Baby einen Namen auszuwählen. Alle fanden es recht interessant, was hinter diesem Namen steckt, für welche Bedeutung er steht.
Welcher Wunsch, welches Motto wird dem Kind auf den Lebensweg mitgegeben:
Trägt er das Licht oder einen Speer?
Ist seine Hautfarbe weiß oder dunkel?
Nennt er sich von Gott gesegnet oder kampferprobter Sieger?
Ist sie eine Bärin, eine Biene, eine Löwin oder einfach nur ein Weibchen?
Immerhin haben’s alle mit Fassung getragen, aber vielleicht wartet nun die eine oder andere Frage auf eine Antwort.
Sofort beantworten konnten wir, was Gott mit unsrem Namen macht:
Er kennt ihn und nutzt ihn um uns zu rufen, denn er hat uns lieb.