Große Ereignisse schlagen Wellen, und was wird heutzutage nicht alles als „Großes Ereignis“ herum-Trumpetet. Wenn wir hier den 11.617 Jahre alten Atlantis-Irrtum aufklären, dann darf das ruhig auch mal größere Wellen schlagen – und das tut es auch! Aber Wellen sind halt immer mit viel Wasser verbunden, zwangsläufig.

Die ersten beiden Internationalen Atlantiskonferenzen 2005 und 2008 waren sich noch völlig uneins über die Lagefrage. Es wurden lediglich Regeln verabredet, welche die Ansprüche an eingereichte Theorien definieren sollten. Über 20 gut fundierte Lokalisierungs-Vorschläge lagen bereits vor und es kamen immer weitere dazu. Die dritte Konferenz 2011 fand bereits an einem Hotspot der Atlantisforschung statt, nämlich auf der griechischen Insel Santorin. Die dortige gewaltige Vulkaneruption die den größten Teil der Insel explodieren und ins Meer stürzen ließ, galt bislang als besonders heißer Tipp vieler Wissenschaftler. Und das obwohl Santorin keinesfalls im Atlantik gelegen ist.

Inzwischen liegen uns bereits sehr ernste Anfragen vor, die vierte Internationale Atlantiskonferenz in Göggingen am Götzenbachsee einzuberufen. Das passte eigentlich sehr gut, denn nach dem Ende unserer Forschungskampagne werden Teile des Camps frei und stehen damit zur Verfügung. Außerdem – und das ist ja eine völlig neue Basis – sind ja hier große Teile von Atlantis zu besichtigen, die gestern von unseren Forschern geborgen wurden. Leider gelang es uns bisher nicht, die Relikte und die ganze Anlage trocken zu bekommen.

Das wird die Aufgabe der nächsten Tage und Wochen sein. Dafür brauchen wir natürlich ganz andere Spezialisten, als für die Suche, Lokalisierung und Hebung. Darum wurden beträchtliche Teile des wissenschaftlichen Personalstabs heute schon ausgetauscht und weitere Wechsel werden folgen.

Dem entsprechend stand der heutige Tag unter dem Zeichen des organisatorischen Wechsels. Jede Menge Ausrüstungsgegenstände, Gepäck und unkatalogisierte Fundstücke wurden zusammengetragen, zugeordnet und verteilt. Für den unerfreulichen Umstand, dass vielem der Staub der Jahrtausende anhaftet, möchte sich die wissenschaftliche Camp-Leitung entschuldigen. Nicht recht verantwortlich fühlen wir uns jedoch dafür, dass manche Fund- und Kleidungsstücke mit Wasser von jenseits der Säulen des Herakles regelrecht getränkt sind. Wir vermuten jedoch einen atlantischen Tiefausläufer als Ursache.

So waren wir von der Dynamik des Geschehens immer wieder aufs Neue überrascht. Positiv zu vermerken ist die gute Zusammenarbeit, mit der heute Morgen die Feldbetten und die meisten Kinderzelte fast trocken abgebaut werden konnten. Alle halfen mit und so gelang uns ein weiterer Rekord, der im fast-trocken-Abbau.
Ebenfalls positiv ging die Abschluss-Evaluation der Jungforscher aus. Da war Meinung gefragt, zum Zeltplatz, den Programmen, zum BE, den Hobbygruppen, Hajks, Feten, Mitarbeitern und natürlich zur Bewertung unserer Dreisterne-Küche, über die Sie sich ab sofort im Guide Michelin näher informieren können.
Stichwort: Hotel-Restaurant Atlantis, Göggingen.
Der heutige Hit der internationalen Atlantis-Küche: Chilli-con-carne mit Schätzen aus Tiegeln und Töpfen der mediterranen Küche.

Viel zu früh kam die Abschiedsstunde. Dank einer kreisrunden, logistischen Glanzleistung konnten wir garantieren, dass sich jeder von jedem verabschieden konnte mit über fünftausend, teilweise sehr herzlichen Verabschiedungsvorgängen.
Das war auch angemessen dafür, dass wir hier nicht nur an einer der spannendsten geschichtswissenschaftlichen Fragen, sondern auch über eine so lange Zeit gemeinsam geforscht haben. Als wir hier am Götzenbachsee zusammen trafen war Juli bei 35°C und heute haben wir typisches Novemberwetter und 9°C.
Hoffen wir, dass Abbau frostfrei bleibt und wir übermorgen vor dem ersten Schnee alle wieder zu Hause sind.