Stille wie in einer Grabkammer – das ist mit dem heutigen Tag Vergangenheit!
Wer immer noch keine Vorstellung davon hat, wie sehr so ein Bus das Leben verändern kann, der muss nur hierher nach Alt-Ägypten kommen. Das Empfangskomitee gab sich große Mühe mit einem freundlichen Willkommen. Na, es war ja auch kein einfacher Bus, der so gegen 16 Uhr um die Ecke kam, sondern ein Doppeldecker samt riesigem Anhänger.

Und die hatte es in sich: Tonnenweise Ausrüstung schon auch, aber vor allem topmotivierte Ägyptologen, Altertumsforscher, Pyramidenvermesser, Mumienteressenten und deren Versorgungsstab aus Stromlos-Technikern, Zeltlageristen, Ver- und Entsorgungsfachleuten. Insgesamt weit über 100 Personen werden in den kommenden Wochen hier in Alt-Ägypten historisches Holzwerkzeug selbst herstellen, jeden Stein umdrehen und den Wüstensand der Jahrtausende wegblasen. Womöglich dürfen wir bald andere Großmäuler über-Trumpen an „Greatness“ „Top-Sensations“ „Worlds-best-News“ …
Aber, unsere Keilschrift-Berichterstatter werden sich nicht vorab an wilden Spekulationen beteiligen, so unprofessionell sind wir schließlich nicht.

Die Forschungstätigkeit wurde heute erst mal mit mehreren Fachkonferenzen eröffnet,  Experten und Helfer stellten sich und ihre Arbeit vor und einer trat in die Fußstapfen des anderen.
Aber natürlich galt es auch ganz banale Fragen zu klären: „Wer schläft wo?“ „Wo gibt‘s fließend Wasser?“ „Wann werden Erfrischungen gereicht?“ „Wie sieht die Menüfolge aus?“
Da die ägyptische Wüste dieses Jahr überraschend grün ist, kondensiert die Feuchtigkeit hin und wieder und fällt sogar in Tropfenform vom Himmel.

Ebenfalls unerwartet: das Buffet hielt ägyptische Spezialitäten bereit, für Wusala konnte sich jeder begeistern. Eine wahrhaft internationale Mischung, so wie die Völker des Orients: Schwarze, helle, gelbe und rötliche…
Wurst! Nach freier Auswahl. Mit Gürkchen, oder eher mit Zwiebeln womöglich mit echt französischem Camembert?

Nach dem Abendessen stellte sich ein junger Mann vor, ein gewisser Mose – auch aus Ägypten. Er wird die nächsten Tage öfter auftauchen und wir sind mal gespannt, was er zu erzählen hat. Apropos erzählen: Die Nachtschicht in völliger Dunkelheit wär ja kein Problem gewesen. Wir hätten ewig durch den dunklen Wald wandern können, wenn uns nicht vorher jemand die Geschichte von der Vampir-Mumie und dem Kreuz am Hasental erzählt hätte. Und wo entlang ging unsere Nachtwanderung? Geradewegs von einem Feldkreuz quer durch das Angst-Hasental…

Rechz und Lynx – von der Sphynx
Den ersten bekannten echten Doppeldecker hatte Pharao Ramses. Seine Prachtgaleere, mit der er den Nil und wohl auch das Meer befuhr, hatte auf zwei Ebenen Ruderer. Nicht für den oberen und den unteren Nil, sondern zur Steigerung der Geschwindigkeit. Die Ruder der oben sitzenden Galeerensträflinge waren länger und tauchten außerhalb der unteren Rudermannschaft uns Wasser. Wir wissen heute nicht mehr, welches Tempo damit möglich war, aber das hing wahrscheinlich vom Geschick der Peitschenknechte ab. Unser heutiger Doppeldecker entfaltete übrigens die Kraft von mehreren hundert Pferden, ohne dass der Fahrer eine Peitsche gebraucht hätte.