Von Anfang an, seit wir vor langer Zeit in Alt-Ägypten angekommen sind, wurde immer wieder eine Oase erwähnt. Doch nie war die Zeit reif, die Gelegenheit günstig oder der Abkühlungsbedarf groß genug. Heute endlich stand der Besuch einer Oase auf dem Programm.

Wissenschaftler schätzen Synergieeffekte immer ungemein. Also einer macht die Doktorarbeit, zwei schreiben sie ab und drei promovieren damit. Ähnlich lief es am heutigen Tag. Einmal das pyramidale Lager verlassen, zwei Forschungsaufträge mit viel  Wasser erledigen, sich dreimal erfrischen.

Zuerst ging es um das vorher vielfach besungene Rote Meer. Der biblischen Überlieferung nach wurde das Volk von Gott mitten hindurch geführt und kam wohlbehalten am gegenüber liegenden Ufer an. Ganz anders die Verfolger, die ägyptische Streitmacht, die dem Pharao seine Sklaven wieder zurück holen sollte. Sie versank mit Mann und Maus, samt Pferden und Streitwagen.
Letzteres ist ja verständlich und war nicht anders zu erwarten. Aber wie können wir heute die „Durchquerung trockenen Fußes“ erklären? Sollten wir den Selbstversuch wagen oder war die Gefahr zu groß, vom Wasser mit den Ägyptern verwechselt zu werden?

Für derart anspruchsvolle Forschung ist eine gründliche Vorbereitung unerlässlich. Gott hatte die Fesseln des Volks Israel gelöst und es war auf der Flucht. Die Fall-Analyse ergab, dass diese Einzelheiten wesentlich für das Wunder waren. Auch die Frage, woher Flüchtlinge heute kommen und auf welche Weise sie das Mittelmeer überwinden, ergab wichtige Anhaltspunkte. Dem gegenüber war dann das „Rote Meer“ unseres Selbstversuchs schmal und wenig gefährlich. Und doch half es uns, das Wunder zu erleben und zu verstehen.

Weiter ging es zur Oase. Die Fragen waren aufzuklären: Wie sieht es dort aus? Welche Qualität hat das Wasser? Was kann man damit anstellen?
Bei der Dapfener Brücke an der Lauter sind die Wiesen grün und das Gras saftig. Gleich nach der Ankunft war Baden, Planschen, Wasserschlacht angesagt und die Erfrischung tat allen gut. Schließlich war der Weg durch die Wüste des Lautertals heiß und beschwerlich genug gewesen. Auch zu Essen und Trinken gab‘s an der Oase in Hülle und Fülle. Die Einladung, es sich gut gehen zu lassen, wurde gerne angenommen und mit einem gemütlichen Mittagspäuschen abgeschlossen.

Dann wurde es plötzlich lauter an der Lauter. Die zweite große Erfrischung in Form einer Wasserschlacht betraf besonders die armen Mitarbeiter. Man wird kaum erraten, wer bei diesem Wasser-Spritzen-Projekt die Nase vorne hatte – nur so viel: die Verlierer wurden ordentlich nass gemacht.

Dabei sollte es nicht bleiben. Im weiteren Verlauf des Tages suchte die dritte Erfrischung unsere Ägyptologen heim. Die hohe Hygiene-Anforderung brachte alle unter die Duschen und dieses Wasser-Erlebnis hätte unterschiedlicher nicht sein können. Für die ersten paar Dutzend stand bei der Temperaturwahl wohliges sonnenwarm zur Verfügung. Aber abends lässt ja die Hitze der Wüste schnell nach und schon lange vor der Dämmerung erlebten nicht wenige verspätete Freunde körperlicher Reinheit ihre dritte Erfrischung.

Bei einer langen Gute-Nacht-Runde konnten alle die aufwühlenden und erfrischenden  Eindrücke des heutigen Oasenbesuchs nachklingen lassen..

…und noch eine Weisheit zum Thema Wasser:
Die Wasserstelle unserer Oase heißt „Lauter“. Das ist ein Synonym für rein, klar, sauber. Das war auch völlig korrekt – vorher!
Aber nach dem rührenden Einsatz von über 200 Füßen über Stunden hinweg…