„Gehe hundert Schritte auf dem Weg eines anderen, wenn Du ihn verstehen willst“
rät ein ägyptisches Sprichwort.

Das persönliche Verständnis unserer Ausgrabungs-Teams reicht inzwischen für über zweitausend ägyptische Grabräuber. Deren Wege, Methoden und Fundstellen beschäftigten uns die letzten drei Tage intensiv – rund um die Uhr.

Nach alten Karten und Berichten suchten wir ganz verschiedene Ausgrabungsstellen an den immer gleichen, typischen Geländemerkmalen; am Wasser, einer Aussichtsstelle, in der Nähe der Baumaterialien Sand, Kies, Schotter…
Für das authentische Feeling musste das ganze natürlich möglichst geheim ablaufen – kein Grabräuber lässt sich gerne zugucken. Passend dazu wurden Ausrüstung und Lebensmittel nachts organisiert. Auch die weiten Wege zwischen den einzelnen Fundstellen wurden oftmals im Morgengrauen oder abends bewältigt. So konnte uns auch die Sonne nichts anhaben.

Allenfalls der Regen, denn wer rechnet schon in der Ägyptischen Wüste mit so was?
Nach der ersten Übernachtung unter freiem Sternenhimmel musste die zweite im geschützten Nachtlager erfolgen. Ein solches fanden alle Gruppen bis auf eine – die haben wir dann halt abgeholt, als der Regen drohte näher zu kommen.
Außer dieser kleinen Hilfestellung waren alle Teams erfolgreich ganz auf sich gestellt was Wege, Methoden und Fundstellen anging, und halt auf die ägyptischen Grabräuber.

Die Zusammenführung aller erfolgte heute im Freibad Münsingen so unauffällig wie hundert Alt-Ägyptologen auf einem Haufen eben sein können. Die ersten haben praktisch vor dem Freibadhintereingang übernachtet und die letzten kamen kurz vor Mittag an. Jedes mal, wenn wieder eine Gruppe dazu stieß gab es natürlich ein großes Hallo. Doch was ein Vollblut-Wissenschaftler ist, der kennt keine Ruhepause. Ein Team startete vom Freibad aus erneut auf Grabung, als es neue Informationen erhielt. Oder war das nur ein Versuch der für alle obligatorischen Dusch-Runde zu entkommen?

Als die Grabungs-Kampagne dann endgültig vorbei und die Ergebnisse eingereicht waren, kam auch schon bald der Bus und nahm alle mit. Erstaunlicherweise alle und alles!

Zurück im Lager gab’s enorm viel zu entladen, räumen, ordnen, trocknen…
Und dann war’s so weit: endlich mal wieder eine richtige gemeinsame Mahlzeit: Gulasch mit Serviettenknödeln und Blaukraut, als Dessert Rote Grütze mit Vanille-Sauce. Erneut stellten unsere Forscher erstaunliche Fähigkeiten unter Beweis. Wieder wurde in kurzer Zeit alles aufgeladen -auf Teller- und weggeputzt. Übrig blieben nur leere Töpfe, Wannen und Kannen.

Zur langen Gute-Nacht-Runde waren alle satt, entspannt und sehr zufrieden. Der Himmel ist wieder freundlich, ein laues Lüftchen hilft beim trocknen, die Temperaturen sind angenehm.

Nur unser Krokodil hat sich in eine regensichere Ecke der Hütte verzogen. Aber dessen Herrchen, König Karl vom Lautertal, hat bisher nichts mehr von sich hören (lesen) lassen.